Der Schwefel - Nitratfilter aus “Der MeerwasserAquarianer 1/2001” Bereits Anfang der neunziger Jahre arbeiteten französische Meerwasseraquarianer mit der hier vorgestellten Methode. Das Nitrat im Aquarium wurde durch den  gezielten Einsatz von Schwefel eliminiert. Diese Technik ist bis heute in Deutschland kaum bekannt bzw. wurde ignoriert. Erst seit neuester Zeit bietet eine deutsche  Firma ein Gerät an, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist der Franzose Dr. Marc Langouet. Er berichtet nun exklusiv im  Meerwasser-Aquarianer darüber wie die Idee entstand und wie die technische Anordnung dieses Schwefeldenitrators erfolgen muss, damit kein Schaden im Aquarium  entsteht.  Zum besseren Verständnis wie diese Idee entstand, müssen wir einen Blick zurück in das Jahr 1990 werfen. Zu dieser Zeit waren alle französischen Aquarianer mit  dem Problem der kontinuierlichen Nitraterhöhung in ihren Aquarien konfrontiert. Die "Berliner"- Methode war in Frankreich nahezu unbekannt und etablierte sich erst  ab dem Jahre 1991, als eine französische Fachzeitschrift (AQUARAMA) diese zum ersten Mal einem breiten Publikum vorstellte. Die gängigste Methode den  Nitratgehalt zu vermindern war damals der häufige Teilwasserwechsel. Entweder man wechselte auf einmal eine große Menge mit frischem Meerwasser, auch auf die  Gefahr hin das gesamte Milieu empfindlich zu stören, oder man bediente sich der Tröpfchenmethode, die damals in der gesamten französischen Szene bevorzugt  wurde. Ich, für meinen Teil, wechselte wöchentlich 30-50 Prozent des Wassers in meinen Aquarien. Diese Praxis des Wasserwechsels hatte aber auch einen großen Nachteil. Sie erforderte ein Ausgangswasser mit sehr geringen Nitratkonzentrationen. Obwohl das  Wasser häufig gewechselt wurde, konnte man auf Dauer dennoch keinen niedrigen Nitratgehalt im Aquarium erzielen. Hinzu kam, dass in dieser Zeit die Benutzung  von Umkehrosmoseanlagen in Frankreich nicht verbreitet war. Selbst heute, wo sie zahlreich eingesetzt werden, ist es in einigen Regionen Frankreichs unmöglich, ein  synthetisches Meerwasser herzustellen, dessen Nitratgehalt kleiner als 5-10 mg/l ist. Ein weiterer Nachteil bei der Verwendung von Osmoseanlagen ist, dass,  zumindest bei Kleinanlagen, eine große Menge Wasser vergeudet wird. Bei einem Reinwasserverhältnis von, wie üblich 4:1 kann man schon von Verschwendung  reden und das alles nur, um ein einziges Ion - das Nitrat - auszumerzen. Ich habe deshalb bald begonnen nach einer besseren Methode zu suchen um das lästige Ion  direkt zu beseitigen.  Diese Methode habe ich dann auch in der Denitrifikation gefunden, bei welcher die Nitrate in gasförmigen Stickstoff umgewandelt werden. Damals vermarkteten einige  wenige Firmen Systeme, welche die Bio-denitrifikation auf heterotrophe Weise betrieben, d.h., die jeweiligen Bakterien wurden durch regelmäßige Zufuhr von  organischem Kohlenstoff (gewöhnlich Glukose oder ein Glukosederivat) gefüttert. Diese entnahmen dann den für die Atmung und die Oxidation des Kohlenstoffs  notwendigen Sauerstoff aus dem Nitrat und reduzierten es dabei in gasförmigen Stickstoff (z.B. das Prinzip des Wodkafilters der Alkohol als Kohlenstoffquelle  verwendet (MA 4/2000)).   Diese Technik funktioniert gut, hat aber zwei bedeutende Nachteile: 1. Um die biologische Reaktion in Gang zu halten empfiehlt es sich, die Bakterien regelmäßig zu füttern und die Kohlenstoffzufuhr so genau wie möglich einzuhalten. In der Tat führt zu wenig Kohlenstoff zu einer partiellen Reaktion und zur kontinuierlichen Nitratanreicherung, wohingegen zu viel Kohlenstoff ein stark reduziertes Milieu  zur Folge hat, das sich am charakteristischen Geruch von faulen Eiern und der damit verbundenen Produktion von Sulfiden bemerkbar macht.   Die Kohlenstoffzufuhr muss dem Verhältnis der Wasser-abflussmenge im Reaktor und der Nitratkonzentration des zu behandelnden Wassers entsprechen. Es ist somit  ein recht kompliziertes System, das die volle Aufmerksamkeit des Aquarianers beansprucht. Bei genauer Betrachtung ist dieses System nicht sehr tolerant gegenüber  einer zu niedrigen oder zu hohen Kohlenstoffzugabe oder einer erhöhten bzw. verminderten Wasserzufuhr. Es birgt einige Risiken für das Aquarium.  2. Der Start der Reaktion läuft nur schleppend an. Man rechnet zwischen vier bis fünf Wochen, bevor diese Filter in der Lage sind kontinuierlich nitratfreies Wasser zu  erzeugen. Da dies alles nicht befriedigend war, wandte ich mich Ende 1990 an Prof. Guy Martin, einen Spezialisten für Wasserchemie an der Ecole Nationale Supérieure de  Chimie in Rennes. Bei ihm habe ich 1978 mein Chemiestudium absolviert. Er entwickelte ein Verfahren, mit dem man die Denitri-fikation mittels Schwefel betrieb. Auf  diesem Wege sollte das Nitrat im Trinkwasser gesenkt werden. Allerdings ignorierte Prof. Martin die Möglichkeit, dieses Verfahren auch im Meerwasser, bzw. in einem  lebenden System wie es ein Aquarium darstellt, einzusetzen. Die ersten Erfahrungen Nach langem Zögern habe ich mich im September 1991 dann zum Experiment mit einem 200 Liter Meerwasserbecken entschlossen. Ich baute einen zylindrischen  Reaktor mit 40 cm Höhe und 7,5 cm Durchmesser, den ich mit 2 kg Schwefel füllte. Den Reaktorzufluss habe ich anfänglich über einen Bypass am Ausgang eines  EHEIM-Filters geregelt. Zu Beginn hielt ich die Fließgeschwindigkeit durch den Reaktor bei 10 Tropfen/Minute, das entsprach etwa 60 ml/h. Zwei Tage nach dem Start  bemerkte ich am Reaktorauslauf einen erhöhten Nitritwert. Er lag bei etwa 16 mg/l NO  2 . Dies war aber in Anbetracht der geringen Durchflussmenge keine Gefahr für  das Aquarium, denn diese kleine Menge, die hier in das Becken tropfte, konnte durch die aerobe Filterung schnell wieder zu Nitrat oxidiert werden. Der Nitritwert (NO  2 )  am Reaktorausgang sank am dritten Tag des Experiments ebenso wie der Nitratwert (NO  3 ) wieder gegen 0. Zu Beginn des Experiments lag ein Nitratwert von 37 mg/l vor. Da sowohl die Nitrit- als auch die Nitratwerte auf 0 gefallen waren, konnte ich den Ablauf vom Reaktor  kontinuierlich von 30 Tropfen je Minute über 1 Liter pro Stunde, bis zuletzt auf 10 Liter in der Stunde erhöhen, ohne dass sich erneut Nitrit- oder Nitratwerte gebildet  hätten. Der Säuregrad des aus dem Reaktor abfließenden Wassers stieg allerdings sehr schnell an, denn der pH-Wert lag bei 6 bis 6,5. Um den Säuregrad zu senken, habe  ich deshalb oben in der Säule (der Durchfluss durch die Säule findet von unten nach oben statt) 10 cm Korallensand eingefüllt. Dies führte dazu, dass nun der pH-Wert  beträchtlich anstieg. Angesichts des produzierten Säuregrades und der im Aquarium sehr schnell zurückgegangenen Nitratwerte habe ich mich dann entschlossen, die  Wasserabflussmenge auf 1-2 Liter/h zu reduzieren, um eine Senkung des pH-Wertes im Becken zu verhindern. Dieses Experiment lief im gleichen Aquarium über  mehrere Monate. Da sich das Ergebnis als positiv erwies und keine negativen Folgen auf Fauna und Flora im getesteten Aquarium zu bemerken waren, habe ich mich  einige Monate später im Jahr 1992 entschieden, den Reaktor an einem 240 Liter Becken, das mit Weichkorallen sowie groß- und kleinpolypigen Steinkorallen besetzt  war, zu testen.   Der zweite von mir gebaute Reaktor war identisch mit dem ersten, allerdings wurde das auslaufende Wasser durch eine weitere Säule gleicher Höhe, die mit  Korallensand befüllt war, geführt. Ziel war es, dass das ein- und auslaufende Wasser den gleichen pH-Wert hatte.  Bis Ende 1994 wurden dann mehrere Experimente an unterschiedlichen Aquarien mit jeweils verschiedenen Nitratwerten durchgeführt. Hierbei gab es ebenfalls keine  negativen Vorkommnisse oder Folgeerscheinungen. Im Gegenteil; das System erwies sich als ausgezeichnet geeignet, um in einem Aquarium, in dem stark gefüttert  wird, den Nitratwert gering zu halten. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dann Ende 1994 entschlossen, dieses System einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.  Ein erstes Pilotexperiment wurde im Aquarium des Musée des Arts Africains et Océaniens in Paris realisiert. Angeregt durch die positiven Erfahrungen hat Michel  Hignette, Konservator des Museums, ein solches Experiment an seinem 45.000 Liter Aquarium gemacht, wo er innerhalb weniger Wochen den Nitratwert von 300 mg/l  auf ca. 10 mg/l herabsetzen konnte.  Als ich dann im Mai 1996 technischer Direktor des Großaquariums von St. Malo wurde, habe ich sofort Reaktoren von 31,5 cm Durchmesser und 2 Meter Höhe gebaut.  Die einzige Veränderung zu meinen anfänglichen Experimenten war der Gebrauch von Schwefelkugeln mit einem Durchmesser von 3 bis 5 mm, die in der Herstellung  von Wein verwendet werden. Diese Kugeln lassen das Wasser ungehindert passieren.  Der Schwefelsäule werden eine oder besser zwei gleich große Säulen nachgeschaltet, die mit Korallensand befüllt sind. Anlässlich eines Kongresses der EUAC  (Europäische Union der Aquarienkonservatoren) wurde 1996 ein Artikel mit dem Titel "Die Eliminierung der Nitrate durch biologisches Filtern auf Schwefelbasis in der  Meeresaquaristik" verfasst. Dieser Artikel wurde von mir, sowie von Michel Hignette, Benoit Lamort, Sébastian Leroy und Guy Martin geschrieben.  Der Biodenitrator aus heutiger Sicht Heutzutage haben sich in der Riffaquaristik zwei Methoden etabliert. Zum einen die in Europa wahrscheinlich am weitesten verbreitete "Berliner"-Methode und die  etwas weniger bekannte "Jaubert"-Methode. Die letztere Methode reduziert die Nitrate zu Stickstoff mittels anaeroben heterotrophen Prozessen, die im Aquarium  selbst ablaufen. Beide Methoden weisen hervorragende Ergebnisse auf. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass hin und wieder bei beiden Methoden erhöhte Nitratwerte auftreten.  Bei der Schwefelmethode ist das nicht der Fall. Hier kann man auf lange Zeit mit einem kontinuierlichen Wert rechnen. Man darf nicht vergessen, dass die  Riffaquaristik, die momentan mehr auf die photosynthetischen Korallen ausgerichtet ist, noch große Fortschritte bei der Pflege nicht photosynthetisch arbeitender  Korallen machen muss. Diese Korallen bedürfen zwar geringer Beleuchtung aber großer Futtermengen. Die beiden vorgenannten Methoden eignen sich - ohne  zusätzliche Hilfsmittel - nicht für die Pflege von solchen Korallen wie Tubastraea-Arten, farbigen Hornkorallen oder Dendronephthya-Arten. Ich möchte anmerken, dass sich Meerwasseraquarianer nicht nur mit der Riffaquaristik beschäftigen sollten. Es ist auch interessant reine Fischbecken oder Aquarien  mit speziellen Tieren, die in einem Korallenriffbecken nicht haltbar oder tragbar sind, zu unterhalten. Weiterhin muss man auch an die Besitzer großer Aquarien mit  mehreren tausend Litern Inhalt, sowie die öffentlichen Aquarien denken. Hier ist die "Berliner"-Methode aufgrund der Größe und Besetzung der einzelnen Becken meist nur schlecht bzw. aufwendig und sehr teuer zu realisieren.  Die Biochemie des Schwefelreaktors Freie anaerobe Bakterien, wie Thiobacillus denitrificans (der sich stark vermehrt, wenn Schwefel zum Einsatz kommt) besitzen die Fähigkeit, in einem schwach  sauerstoffhaltigen Milieu dem Nitrat- oder dem Nitrit-Ion die Sauerstoffatome zu entreißen und sie über Schwefel oder seine Derivate bis zum Endprodukt Sulfat zu oxi-  dieren. Meines Wissens fanden nie Studien über die Stöchiome-trie der Reaktion im Meerwasser statt, bzw. die Methode wurde keinen Experimenten unterzogen, obwohl  neuerliche Arbeiten aufzeigen, dass der Prozess im marinen Bereich beobachtet wurde.  Für Süßwasser und Schwefel liegen solche Beobachtungen vor und für sie wurde folgende Stöchiometrie ermittelt: HS + 10NO  3 - + 4,1 HCO  3 - + 0,5 CO  2  + 1,71 NH  4 + + 2,5 H  2 O  ®  0,92 C  5 H 7 NO  2  + H SO  4 - + 5,4 N  2  + 9,62 H +   Für Leser, die nicht mit diesen biochemischen Reaktionen vertraut sind, ist festzuhalten, dass es sich hier um angenäherte Gleichungen handelt; C  5 H 7 NO  2   repräsentiert in diesem Fall die Biomasse.   Der Schwefel dient gleichzeitig als Nahrungsmittel (er spendet die Energie) und fungiert aufgrund seiner Wasserunlöslichkeit als Besiedlungssubstrat für die Bakterien.  Der Sinn der Methode besteht darin, dass die Bakterien ständig über eine Energiequelle verfügen. Dies ist für den Aquarianer sehr zuverlässig, denn hier muss er sich  nicht permanent um eine Nahrungszufuhr für die Bakterien kümmern. Der Schwefel wird nur sehr langsam verbraucht. Anzumerken ist auch, dass im Meerwasser  aufgrund der hohen KH-Pufferkapazität mehr CO  2  erzeugt wird. Im Experiment führte aber die Belüftung des sauren Abflusswassers zu einem pH-Wert, der dem des  einlaufenden Wassers schon recht nahe kam.  Praxis Der Reaktor Möchte man Wasser behandeln, das einen Nitratwert unter 50 mg/l aufweist, kann man eine feste Regel aufstellen. Das in Litern gerechnete Volumen des  Schwefelreaktors muss 1% des Beckenvolumens ausmachen. Sie werden sich nun fragen, warum ich diese Angabe in Volumen und nicht in Gewicht mache?   Ganz einfach: Wenn ein Reaktor konstruiert wird legt seine Form und nicht das Gewicht des Schwefels die Menge fest. Die zu verwendenden Schwefelkugeln sollten  einen Durchmesser von 3 bis 5 mm und eine Dichte von 1,15 haben. Wenn Sie somit ein 100 Liter Becken vom Nitrat befreien möchten, rechnen Sie 1% Volumen des  Schwefelreaktors. Aufgrund der unterschiedlichen Dichte von Wasser und diesen Schwefelkugeln müsste der Reaktor 1,15 kg Schwefelmaterial aufnehmen. Eine  andere Kornabstufung hätte eine andere Dichte zur Folge. Wäre die Kornabstufung feiner, tritt relativ schnell eine Verschlammung ein, und somit rate ich von der Verwendung von z. B. zerstampftem Schwefel (Schwefelplatten)  dringend ab. Auf dem Weg durch das Reaktorsubstrat verliert das Wasser auf den ersten Zentimetern einen Großteil seines Sauerstoffs, da die ansässigen Bakterien zuerst diesen  zur Atmung nutzen. Allerdings interessiert uns ausschließlich die Nitrat-Atmung und so empfehle ich eine ausreichend hohe Säule zu bauen, damit das Wasser die  anaerobe Zone möglichst lange durchfließt. Beachten sollte man, dass eine im Verhältnis zur Höhe zu breite Schwefelsäule das Wasser veranlasst, sich den leichtesten Weg durch den Schwefel zu suchen. In  diesem Fall würde es in einem Teil der Säule aufgrund von absolutem Sauerstoffmangel zu reduzierten Zonen kommen, in denen Sulfide mit dem typischen Geruch  von faulen Eiern produziert würden. Um dies zu vermeiden genügt es, in der Schwefelsäule eine möglichst homogene Wasserfließgeschwindigkeit zu erzeugen und  aufrecht zu halten. Das lässt sich mit einer Säulenhöhe erzielen, die mindestens fünfmal größer als ihr Durchmesser ist. Gleichzeitig muss das Wasser senkrecht von  unten nach oben fließen. In den Anfangsstadien, wenn das einlaufende Wasser noch einen hohen Nitratwert aufweist, kann die gasförmige Stickstoffproduktion die Lösbarkeit des Stickstoffs im  Wasser überschreiten. In diesem Fall kann es zu einer Stickstofffreisetzung innerhalb des Reaktors kommen. Die Folge ist, dass diese Freisetzung in Form von Blasen,  aufgrund der trägen Fließgeschwindigkeit des Wassers im Reaktor verbleibt, wenn sie durch die Fließgeschwin-digkeit des Wassers nicht hinausbefördert werden  kann. Wird aber der Reaktor von unten nach oben betrieben, so können diese Gasblasen nach oben abwandern, denn das Gas hat die Eigenschaft hochzusteigen. Es  empfiehlt sich aus diesem Grund auch nicht den Wasserdurchlauf am Ausgang, sondern bereits am Eingang zu regeln, denn nur so können die Gasblasen frei aus dem  Reaktor entweichen.   Bei einem Nitratwert zwischen 50 und 100 mg/l kann dieser 1% Reaktor zu schwach sein. Hier sollten wir uns lieber auf einen 2% Reaktor festlegen. Dieser könnte  sich dann allerdings als zu stark erweisen, wenn das Wasser im Aquarium unter die 50 mg/l Grenze gefallen ist. Am besten wäre es, wenn man den NO  3  Gehalt zuerst  mittels Wasserwechsel auf 50 mg/l drückt und sich dann für den unproblematischen 1% Reaktor entschließt.   Natürlich schafft der 1% Reaktor auch Werte bis 100 mg/l, aber hier müsste man dann den Durchfluss so stark drosseln, dass durch die weiterlaufende Zufütterung der  Aquarieninsassen nie ein wirklich relevanter Abfall des NO  3  Wertes bemerkbar würde.  Die kalkhaltigen Substratsäulen Um die Produktion eines zu sauren Wassers zu vermeiden schlage ich vor, das am Ausgang des Schwefelreaktors austretende Wasser in einen zweiten oder noch  besser dritten Reaktor zu leiten, der in Größe und Fließrichtung dem eigentlichen Reaktor entspricht und mit kalkhaltigem Substrat befüllt ist. Das Kalksubstrat sollte  am besten der doppelten oder dreifachen Menge des Schwefelsubstrates entsprechen.   In allen von mir persönlich durchgeführten Experimenten handelte es sich um Korallensand mit einer feinen Körnung, die jedoch nicht so fein sein darf, dass sie  unweigerlich eine vorschnelle Verschlammung nach sich ziehen würde. Die empfohlene Korngröße liegt zwischen 1 und 5 mm. Es ist unerlässlich, wie bei allen  Kalkreaktoren (denn darum handelt es sich bei diesen Säulen) ein Substrat zu verwenden, das bei seiner Auflösung nicht die übermäßige Bildung lästiger Ionen, wie  Phosphate oder Schwermetalle verursacht.  Die Einstellung der korrekten Durchflussmenge In der Anlaufphase muss die Ablaufmenge möglichst niedrig gehalten werden und darf zu keiner Zeit 1 Tropfen/sec. bei 2 Liter Schwefel überschreiten. Dieser Punkt ist  äußerst wichtig und scheint zu der Zeit, als ich anfing meine Erkenntnisse zu veröffentlichen, von vielen Aquarianern nur schlecht verstanden worden zu sein. Ich  möchte noch einmal erwähnen, dass in dieser Startphase eine ungewöhnlich hohe Nitritproduktion einsetzt, die ca. 3 Tage lang anhält. Bei niedriger Zutropfrate in das  Aquarium hat dieser hohe Nitritwert keinerlei Auswirkungen auf das System. Weiterhin ist durch diese geringe Fließgeschwindigkeit gewährleistet, dass sich aufgrund  des sehr sauerstoffarmen Milieus im Reaktor die geeigneten Bakterien so schnell wie möglich auf dem Substrat niederlassen. Hat sich die bakterielle Flora einmal  niedergelassen, stellt man schnell fest, dass der NO  2  Wert im Ablaufwasser des Reaktors innerhalb weniger Stunden extrem sinkt.   Wenn man die obigen Empfehlungen einhält, geschieht dies gewöhnlich ab dem dritten oder fünften Tag nach der Inbetriebnahme. Ab diesem Zeitpunkt kann man dann die Durchflussgeschwindigkeit schrittweise bis zu einem geschätzten Wert von 1 Liter/h pro Liter Schwefel erhöhen. Wenn ich hier nur einen geschätzten und keinen  endgültigen Wert angebe so liegt das daran, dass jedes Aquarium anders reagiert, und weil alles davon abhängt wie hoch der NO  3  Wert zu Beginn ist, wie hoch die  tägliche Nahrungszufuhr und wie hoch die Eigenkapazität des Aquariums bezüglich des Nitratabbaues ist. Es sollte deshalb klar sein, dass man seinen NO  3  Wert am  Anfang genau ermittelt und dann anhand der Abbaugeschwindigkeit die Fließgeschwindigkeit für die Zukunft bestimmt. Am Anfang sind somit einige Messungen durchzuführen. Bei größeren Veränderungen des Besatzes muss gegebenenfalls die Durchflussgeschwindigkeit neu  angepasst werden. Das bemerkt man aber am zunehmenden Nitratwert im Aquarium. Festzuhalten ist, dass eine anfangs zu hohe Fließgeschwindigkeit eine  unvollständige Reaktion im Reaktor bewirkt und am Reaktorausgang eine Zunahme von Nitrit provoziert.  Selten aber trotzdem möglich ist, dass Sulfide mit dem charakteristischen Geruch fauler Eier entstehen. Das passiert aber nur wenn die Fließgeschwindigkeit im  Reaktor durch Verschlammung soweit herabgesetzt ist, dass das durchfließende Wasser nicht mehr alle Teile des Substrates durchströmen kann und so die  Möglichkeit zur Bildung sauerstofffreier Zonen gegeben ist (Anm. der Red. Es empfiehlt sich an den einzelnen Reaktoren eine Rückspülvorrichtung zu integrieren, die  eine Spülung des Substrates mit Meerwasser von Zeit zu Zeit ohne großen Aufwand erlaubt). Beim Entschlammen kann sich hin und wieder der Geruch nach faulen  Eiern einstellen. Das ist allerdings ganz normal, da der Thiobacillus unter anaeroben Bedingungen in der Lage ist, die Sulfide in Sulfate zu oxidieren. Bei einer  Entschlammung bleibt ihm allerdings nicht die Zeit für diese Umwandlung, und deshalb können Sulfide in schwacher Konzentration den Reaktor verlassen. Das sollte  uns nicht beunruhigen. Die Nitratabnahme im Aquarium Sobald die Reaktion gestartet wurde, sinkt der Nitratgehalt im Aquarium sehr schnell. Dennoch verläuft diese Abnahme nicht linear sondern exponentiell, da das  nitratfreie Wasser aus dem Reaktor ständig mit dem ni-trathaltigen Wasser im Aquarium vermischt wird.   Bedingt durch die weitere Fütterung der Aquarieninsassen, die somit wiederum ständig neues Nitrat produzieren kann man nur sehr schwer abschätzen, in welcher Zeit  das Aquarienwasser einen annehmbaren NO  3  Wert aufweist. Im Allgemeinen geschieht das binnen weniger Wochen. Wenn das jeweilige persönliche Ziel erreicht ist,  muss man anhand diesem Wert die Fließgeschwindigkeit im Reaktor ausrichten. Das sollte deshalb schon geschehen, weil das System durch den Auflösungsvorgang  des kalkhaltigen Substrats zum Calciumproduzenten wird.   Lässt man den Reaktor mit hohem Durchsatz arbeiten, führt dies im Verlauf der Zeit zu abnormal hohen Calciumwerten im Aquarium. Hin und wieder wurden von  Meerwasseraquarianern Calciumwerte gemessen, die zweimal höher als der natürliche Wert im Meer lagen. Auch wenn ich selbst noch nie solch hohe Zahlen erreichte  erhielt ich Rückmeldungen, die 800 mg/l Calcium bestätigten. Wenn die ganze Sache erst einmal eingelaufen ist, kann man im Aquarium dauerhaft Nitrat-Werte  erzielen (unter 0,5 mg/l), die mit normalen aquaristischen Tropftests nicht mehr nachweisbar sind.  Was geschieht mit den Sulfaten? Man konnte anhand der Erläuterungen erkennen, dass die Bakterien dazu fähig sind, alle Schwefelderivate (S, S-, H2S usw.) in Sulfate zu oxidieren. Die Frage, die  sich aber sofort stellt ist die nach dem weiteren Verbleib der Sulfate im Kreislauf. Zuerst sei gesagt, dass die Sulfatkonzentration im Meerwasser bei 2,65 g/l liegt (entsprechend ca. 900 mg/l Schwefel im Sulfat). Selbst wenn die Reduktion eines  Nitrat-Ions in Stickstoff 1,1 Sulfat-Ionen produziert, müsste eine ganze Menge Nitrat umgewandelt werden, bevor sich die Sulfatrate im Aquarium merklich erhöht.  Michel Hignette hat in Paris bei neuerlichen Studien festgestellt, dass die produzierten Sulfate von den Kalksäulen zurückgehalten werden und die Sulfatrate im  Langzeittest im Aquarium weitgehend stabil blieb. Wenn nach einiger Zeit das Kalksubstrat aufgrund seiner Verschlammung etc. aufgebraucht wurde und verworfen  werden muss, beseitigt man gleichzeitig die produzierten Sulfate. Der KH- und pH-Wert In einem weiteren Testaquarium, das über Monate und Jahre lief, konnte selbst ohne Wasserwechsel eine außerordentliche Stabilität des KH- und pH-Wertes  verzeichnet werden, wenn ein Schwefelsystem mit schwacher Durch-flussgeschwindigkeit zum Einsatz kam.  Bei Verwendung eines Systems mit hoher Durch-flussrate (wenn sehr hohe Nitratmengen schnell gesenkt werden sollen) ist es notwendig, den KH und pH-Wert  kontinuierlich zu überwachen. Dies gilt um so mehr, wenn die Kalksäulen unterdimensioniert sind. Eine zusätzliche Entgasung oder die Einleitung über den  Abschäumer verhindert zuverlässig ein Absinken des pH-Wertes.  Störung des Systems Man sollte es tunlichst vermeiden, die durch die Bakterien erzeugte biochemische Aktivität mit antibakteriellen Mitteln, wie z. B. Chloramphenicol zum Erliegen zu  bringen. Wenn die Reaktion aufgrund der Verwendung solcher Mittel angehalten werden muss, sollte der Reaktor mit einer kleinen Menge neuen Schwefels versehen  werden, bevor er neu gestartet wird. Persönlich konnte ich z.B. durch den Einsatz von Kupfersulfat keine Beeinträchtigung des Prozesses feststellen.  Wenn das System pausieren muss Falls nötig, kann der Reaktor angehalten und später wieder leicht in Gang gesetzt werden. Die Bakterienpopulation muss natürlich aufrecht erhalten werden und darf  nicht austrocknen. Die beste Lösung zur Verhinderung des Austrocknens ist, das Wasser aus dem Reaktor zu entfernen und ihn dann luftdicht zu verschließen damit  die Feuchtigkeit im Reaktor erhalten bleibt. Auf diese Weise erfolgt der spätere Einsatz und die erneute Ingangsetzung sehr schnell. Dennoch empfiehlt es sich - aus  Sicherheitsgründen - wie beim ersten Mal, die Nitritwerte am Reaktorausgang zu überwachen und die Fließgeschwindigkeit bei Erhöhung zu senken. Wenn man das  Wasser im Reaktor belassen hat, muss es vor Inbetriebnahme ausgeschüttet und das Substrat zusätzlich mit Aquarienwasser gespült werden. Auch dann ist der  Reaktor wieder einsatzfähig.  Quelle: Der MeerwasserAquarianer 1/2001 Rüdiger Latka Verlag Hans-Thoma Str. 9  76287 Rheinstetten EMAIL: MeerAqua@t-online.de  Tel: 07242 - 95 32 32 Tipps & Tricks